Bestand

Mit neuen Ideen für den Bestand wollen wir ökologische und soziale Herausforderungen meistern. 2020 haben wir die Weichen gestellt, um auch Bestandsgebäude mit Photovoltaikanlagen auszustatten. Gleichzeitig haben wir daran gearbeitet die Kommunikation mit unseren Mieter:innen zu verbessern, um ihre Zufriedenheit sicherzustellen.

2020 in Zahlen
%

des Bestands wurden seit 1990 energetisch saniert

Kundenzentren und ein Servicebüro als Anlaufstelle für alle Mieter:innen

Jahre durchschnittliche Mietdauer

Energie, die Spaß macht

Die Tochtergesellschaft HOWOGE Wärme GmbH wandelt sich zum Energiedienstleister. Mit dem Mieterstrom bietet sie Mieter:innen der HOWOGE die Chance, aktiv die Energiewende voranzutreiben. Welche Hürden zu nehmen sind und was das mit YouTube zu tun hat, verrät der kaufmännische Leiter Michael Pardon im Interview.

Die Gebäude der HOWOGE sollen bis 2045 nicht mehr als 7 kg CO2 pro Quadratmeter verursachen. Wie wollen Sie das im Bestand schaffen?

Michael Pardon: Die Zahl ist als Durchschnittswert gemeint zwischen Bestandsgebäuden und Neubauten. Die wichtigste Stellschraube bei der Reduzierung von CO2 ist es, Primärenergie für Heizung und Warmwasser durch Alternativen zu ersetzen. Im Neubau erreichen wir durch den Einsatz von modernster Energietechnik und PV-Anlagen schon jetzt sehr gute Werte. Beim Bestand gibt es physikalische Grenzen. Hier gilt es, weg vom Einzelgebäude und hin zum Quartier zu denken, um Lösungen für Hunderte Wohnungen gleichzeitig zu finden.

Mit welchen Herausforderungen haben Sie es zu tun?

Michael Pardon: Wir wollen einerseits günstige Betriebskosten, andererseits hochwertige energetische Anlagen. Daher erarbeiten wir im Rahmen von Pilotprojekten Lösungen, die wir dann breit ausrollen. Außerdem spüren wir den Fachkräftemangel, also dass wenig Menschen Heizungsbauer, Elektrotechniker oder Ingenieure werden wollen. Nicht zuletzt werden Materialien und zugelieferte Anlagenkomponenten immer teurer.

Portrait Michael Pardon
© HOWOGE

Wir versuchen es mit Aufklärung, zum Beispiel darüber, wie man richtig heizt und lüftet.

Michael Pardon Kaufmännischer Leiter der HOWOGE Wärme GmbH

Wie wollen Sie auf Energiesparen hinwirken?

Michael Pardon: Energie müsste eigentlich mehr kosten, damit das Interesse am Energiesparen steigt. Auf der anderen Seite wollen wir, dass unsere Mieter sich einen gewissen Lebensstandard leisten können. Daher versuchen wir es mit Aufklärung, zum Beispiel darüber, wie man richtig heizt und lüftet. Dazu gehört, dass man die Heizung im Winter am besten konstant auf 20°C bis 21°C lässt und Stoßlüften besser ist als gekippte Fenster.

Wohin entwickelt sich die HOWOGE Wärme GmbH?

Michael Pardon: Wir werden ein integrierter Energiedienstleister. Wir bieten Wärme, Strom und Messdienste an und führen Pilotprojekte durch. Auch Mobilitätsdienstleistungen werden kommen. Mehr Wohnraum heißt weniger Parkplätze. Da brauchen wir Angebote, die Spaß machen, damit man bereit ist, aufs Auto zu verzichten.

Sie bieten eigenproduzierten Grünstrom als „Mieterstrom“ an. Welche Hindernisse gibt es?

Michael Pardon: Für die Mietenden ist es zwar ein Preisvorteil, aber wir müssen sie erst erreichen. Manche haben Erfahrungen mit unseriösen Anbietern gemacht. Als HOWOGE bekommen wir jedoch meist einen Vertrauensvorschuss. Zudem scheint nachts die Sonne nicht, dann müssen wir grünen Strom zum Beispiel aus Wasserkraft zukaufen. Batteriesysteme haben wir schon installiert, aber das waren eher Piloten, die noch sehr teuer sind. Wenn aber der Speichermarkt so weit ist, in fünf bis sieben Jahren, dann könnten wir den Überschuss einspeichern und auch dann Sonnenstrom nutzen, wenn die Sonne mal nicht scheint.

Was halten Sie persönlich vom Mieterstrom?

Michael Pardon: Das ist eine prima Sache! Mieterstromkunden können aktiv an der Energiewende teilhaben, denn unsere Projekte sind ja nur mit ihnen umsetzbar! Auch energiepolitisch ist es gut, denn mit den dezentralen Kleinanlagen können wir die Stromnetze entlasten. Photovoltaik ist für uns der Schlüssel zur Energiewende in Deutschland. Sie stinkt nicht, sie macht keinen Lärm, sie hat eine lange Lebensdauer und relativ wenig Wartungsaufwand. 

Was muss ein Bestandsgebäude mitbringen, damit sich Mieterstrom lohnt?

Michael Pardon: 
Jedes Projekt muss individuell geprüft werden. Erstmal sollte das Dach relativ neu sein und gewisse statische Gegebenheiten mitbringen. Denn eine Photovoltaikanlage wiegt rund 35 kg pro Quadratmeter. Zu hoch darf das Haus auch nicht sein, sonst sind die Windlasten zu groß. Die Dachfläche muss die richtige Ausrichtung haben, groß genug sein und die Elektroanlage im Keller muss sich eignen. Aber vor allem braucht es Mieter, die ihren Anbieter wechseln, um den Strom vom eigenen Dach zu beziehen.

Wie viel könnte die HOWOGE produzieren?

Michael Pardon: Optimistisch hochgerechnet kommen wir auf 10 Megawatt. Damit können wir aus heutiger Sicht noch nicht den Strombedarf aller Mieter decken. Aber wer weiß, was es in ein paar Jahren noch an Innovationen in der Energietechnik geben wird. Wir betreiben mittlerweile 24 Photovoltaikanlagen, die bringen mehr als ein Megawatt. Wir haben rund 2.000 Kunden im Strombereich. Dafür, dass wir das erst seit ein paar Jahren machen, ist das schon ganz gut. 

Welche Innovation wünschen Sie sich für die HOWOGE Wärme GmbH?

Michael Pardon: Wenn ich an die großen Flächen an unseren Hochhäusern denke, wünsche ich mir preiswerte Photovoltaikanlagen für Fassaden. Insgesamt leichtere Anlagen. Zudem leise, leichte und kostengünstige Windkraftanlagen für hohe Gebäude. 

Wir brauchen mehr Wissen über Energie. Es müsste quasi zum Partygespräch werden. Wir müssen Energie und Technik sexy machen!

Michael Pardon Kaufmännischer Leiter der HOWOGE Wärme GmbH

Was müsste sich sonst noch verändern?

Michael Pardon: Wir brauchen mehr Wissen über Energie. Die meisten Menschen bekommen gar nicht mehr mit, wie viel Strom sie verbrauchen, wenn sie in einen Aufzug steigen, im Supermarkt alles gekühlt ist oder sie YouTube-Videos abspielen. Nach dem Wissen kommt das Wollen. Steige ich vom Auto um und fahre mit dem Rad oder der S-Bahn oder kaufe ich einen sparsamen Staubsauger? Dann kommt das Wirken. Ohne Veränderung der Lebensweise wird es nicht gehen. Das hat nicht zwangsläufig etwas mit Verzicht zu tun – eher mit dem Willen, neue Wege zu probieren und sich zu verändern. Außerdem haben wir es in Deutschland mit hohen behördlichen und rechtlichen Hürden zu tun. Da muss die Politik ran. Das Stichwort heißt Vereinfachung. Auch für Menschen, die Energie und Technik nicht gelernt oder studiert haben, sollte Wissen darüber Spaß machen – es müsste quasi zum Partygespräch werden. Wissen – Wollen – Wirken. Wir müssen Energie und Technik sexy machen! (lacht)

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