Mit Engagement im Kiez

Die Verkehrswende mit vorantreiben 

Mit Engagement im Kiez wollen wir unsere Quartiere für alle lebenswert machen, unabhängig von Alter und Herkunft. Mobilität in jeder Lebenslage gehört für uns dazu. Ebenso wie unser Beitrag zur Verkehrswende. Die HOWOGE entwickelt dazu neue Lösungen, ganz ohne Denkverbote. Denn was könnten wir in unseren Kiezen und auf unseren Parkflächen nicht alles machen? Wie werden wir uns in Zukunft fortbewegen? Christoph Neye, Mobilitätsexperte bei der HOWOGE, erzählt im Interview, wie er mit Kooperationen und Dialog alle mit auf die Reise nehmen will.

Bei der HOWOGE denkt man erstmal nur an Wohnungen. Aber was hat sie mit Mobilität zu tun?

Die HOWOGE verwaltet nicht nur Wohnungen. Sie entwickelt Quartiere und baut die Stadt weiter. Mobilität spielt dabei – gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels – eine wichtige Rolle. Deswegen denken wir diese in all unseren Projekten mit. Die HOWOGE hat jede Menge Stellflächen. Wir haben über 11.000 Parkplätze, die inklusive der Zufahrten und Rangierflächen etwa 3,5 Hektar Fläche einnehmen. Mit dem Zukauf im letzten Jahr kommen nochmal 2.500 Parkplätze dazu. Ich möchte diese Flächen für die Verkehrswende aktivieren.

Porträt von Christoph Neye, Beauftragter für Mobilität

Mit dem Zukauf im letzten Jahr kommen nochmal 2.500 Parkplätze dazu. Ich möchte diese Flächen für die Verkehrswende aktivieren.

Christoph Neye Beauftragter für Mobilität

Woran arbeiten Sie gerade konkret?

Aktuell erheben wir die Datenbasis, damit wir besser einschätzen können, was vor Ort gebraucht wird - und zwar für 73.500 Wohnungen. Anhand der Daten wollen wir Rückschlüsse ziehen, damit wir die Ladeinfrastruktur schnell voranbringen, ohne jedes Objekt einzeln begehen zu müssen. Parallel arbeite ich bei den Mobilitätsangeboten an Anreizen, damit Mieter:innen auf das Auto verzichten. Das ist eine große Partizipationsbaustelle. (lacht)

Wo fangen Sie bei diesem Riesenprojekt denn an?

Es geht erstmal um einen Überblick. Wo sind strategisch günstige Standorte für Car Sharing? Kann ich zentrale Lager- und Verteilorte für Güter einrichten, sogenannte Mikro-Hubs? Könnte die HOWOGE auf ehemals versiegelten Flächen Urban Gardening anbieten? Oder lässt sich auf einer Parkfläche neuer Wohnraum schaffen? All diese Fragen gilt es zu beantworten. Daher war es wichtig, sich durch eine große Datenerfassung ein Bild vom Status Quo zu machen und zu sehen, wo wir überhaupt stehen.

Worin sehen Sie die größten Hürden?

Zum einen, dass wir das Autofahren kulturell verinnerlicht haben. Wir finden es normal, im Jahr mehrere Tage für die Parkplatzsuche aufzuwenden, oder noch weitere, um im Stau oder im Berufsverkehr zu stehen. Es bringt daher nichts, Sharing-Angebote einfach nur zur Verfügung zu stellen. Wir brauchen Zeit für Partizipationsprozesse und Dialog, da geht es um Wandel in den Köpfen. Darüber hinaus brauchen wir ein besseres Verständnis davon, wer mit welchen Bedürfnissen bei uns wohnt. Hier ist der Datenschutz, wenngleich sehr wichtig, häufig eine Herausforderung. Ich kann für die Quartiere oft nicht sagen, wie viele Menschen dort genau leben, wo mehr Familien, Studierende oder Senior:innen zu Hause sind, um daraus Schlüsse für passende Angebote zu ziehen.

Es bedarf also auch Überzeugungsarbeit?

Ja, auf jeden Fall. Die Kunst ist, den Prozess zu beschleunigen. Der Wandel wird mit jeder Generation voranschreiten. Das sehen wir in Nutzungsstatistiken der Anbieter. Mir kommt der Wandel nur nicht schnell genug (lacht). Wir wollen bei Autofahrer:innen den Eindruck vermeiden, dass wir uns gegen sie richten, sondern vielmehr dazu anregen, etwas Neues auszuprobieren. 

Die Kunst ist, den Prozess zu beschleunigen. Der Wandel wird mit jeder Generation voranschreiten. Das sehen wir in Nutzungsstatistiken der Anbieter.

Christoph Neye Beauftragter für Mobilität

Wie wollen Sie dieses Dilemma lösen?

Wir initiieren Pilotprojekte und testen, die Reaktionen darauf. Ich will vor allem schnell und viel testen, damit wir schneller Erfahrungen sammeln als im üblichen Zweijahresmodus. Das wäre sonst keine Verkehrswende, sondern nur demographischer Wandel. Wir greifen ergänzend dazu aktuell auf statistische Daten des Senats zurück, die nicht zwingend repräsentativ für unsere Quartiere sind. Ich setze mich dafür ein, dass wir hier mehr Daten erhalten. 

Ich will vor allem schnell und viel testen, damit wir schneller Erfahrungen sammeln als im üblichen Zweijahresmodus. Das wäre sonst keine Verkehrswende, sondern nur demographischer Wandel. 

Christoph Neye Beauftragter für Mobilität

Es braucht attraktive Alternativen, um das Gewohnte zu verändern. Was will die HOWOGE denn alles anbieten?

Denkbar ist alles! Kurierfahrten, Arztfahrten, Fahrradwerkstätten und vieles mehr. Wir wollen zum Beispiel an einem Forschungsprojekt teilnehmen, das nachbarschaftliche Mitfahrgelegenheiten testet. Ziel ist es, ein Vertrauensverhältnis und mehr Kontakt zwischen den Bewohner:innen zu schaffen, erstmal über eine digitalisierte Lösung. Eine Art Mitfahrzentrale on demand.

Was glauben Sie denn, was am meisten überzeugen kann?

Wenn wir etwas anbieten, was man privat nicht hat und sich auch nicht leisten möchte. Warum nicht Rennräder oder E-Mountainbikes, oder auch elektrische Skateboards, Tandems oder Transporter? Das gibt das Gefühl eines riesigen Fuhrparks. Dies müssen wir jedoch am Bedarf ausrichten, da wir gemäß unserer Strategie kein Zuschussmodell umsetzen werden. Wir wollen eine Lösung entwickeln, bei der sich die Projekte selbst tragen.

Warum nicht Rennräder oder E-Mountainbikes, oder auch elektrische Skateboards, Tandems oder Transporter?

Christoph Neye Beauftragter für Mobilität

Im Neubau haben Sie eine andere Situation, Mobilität wird von Anfang an mitgeplant.

Ja, für Neubau ist es sehr einfach. Wir haben Vorgaben durch das Mobilitätsgesetz, beispielsweise für ausreichend Fahrradstellplätze zu sorgen. Wir sind seit Jahren nicht mehr verpflichtet, KFZ-Stellplätze zu bauen. Das weiß nur kaum einer. Die HOWOGE plant schon ein Objekt mit Fahrradtiefgarage und Lastenaufzug. Im Neubau kann das Quartier von Anfang so geplant werden, dass wir Menschen anziehen, die an neuen Mobilitätslösungen interessiert sind.

Was hat es mit dem Runden Tisch zur Mobilität auf sich?

Es ging darum, die Abstimmung zwischen den sechs Schwestergesellschaftern und der HOWOGE zu fördern. Denn wir müssen bei der Entwicklung der Mobilitätsthemen voneinander lernen. Welche Daten und Erfahrungswerte liegen schon vor, wo können wir kooperieren? Wenn die HOWOGE beispielsweise eine Schnelladesäule baut, dann rechnet sich das nicht zwangsläufig. Aber wenn eine Schwestergesellschaft ein Quartier nebenan hat, können wir Schnelladesäulen strategisch platzieren oder Car Sharing gemeinsam anbieten und dadurch Fläche sparen. Wenn wir Wissen und Erfahrungswerte für alle zugänglich machen, können wir alle schneller arbeiten. Dazu kamen schnell weitere Partner, die mit urbaner Mobilität zu tun haben und wir sind im guten Austausch.

Wozu braucht es die große Runde?

Ich setze auf Kooperationen. Daher ist es gut, dass auch die Berliner Verkehrsgesellschaft, der Bund Deutscher Unternehmensberater, die Stadtwerke und Andere dabei sind. Wir bei der HOWOGE gehen gern voran und teilen unser Wissen und unsere Erfahrungen. Das Ziel ist ein permanenter Austausch auf einer gemeinsamen digitalen Plattform. Wir können auch als Schwestergesellschaften mit einer Stimme sprechen und gleichzeitig Themen adressieren. Wenn beispielsweise unsere Mieter:innen das Rad zur nächsten U-Bahnstation nehmen, können wir direkt mit der Berliner Verkehrsgesellschaft über sichere Stellplätze sprechen. Denn uns eint ein großes Ziel – die Verkehrswende.

2021 in Zahlen

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mobile Hausmeister:innen sind in unseren Kiezen unterwegs

Runder Tisch zum Thema Mobilität initiiert

soziale und gesellschaftliche Projekte finanziell gefördert

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