Neubau

Mit klimafreundlichen Neubauten wollen wir einen Beitrag zu den Klimaschutzzielen des Landes Berlin und der Bundesregierung leisten. Was wir heute bauen, entscheidet darüber, ob wir die Klimaziele erreichen. Seit 2020 planen wir nur noch Neubauten, die dem KfW-Effizienzhaus-Standard 55 entsprechen, und bauen, wo heute schon möglich, Pilotprojekte nach KfW-Standard 40.

2020 in Zahlen
kg

(CO₂ / m² / a) Emissionsziel für alle Neubauten ab 2020

Schulen baut die HOWOGE in den nächsten zehn Jahren

%

der Neubau-Wohnungen sind barrierearm

Häuser wie Möbelstücke bauen

Einen Plan zu haben ist immer gut. Besonders ausgefeilt sollte er beim Holzhybridbau sein. Vor allem, wenn dieser so konzipiert ist, dass Umwelt und Geldbeutel geschont werden, und er was hermachen soll. Das Quartier Johannisgärten ist dafür ein Paradebeispiel. Architektin Geraldine Abbate gibt Einblicke in das schöne Wohnen mit Holz und die Fallstricke beim Bauen.

„Wie wohnt es sich dort?“ Diese Frage beschäftigt die Architektin mit Blick auf die neuen Holzbauten besonders. Finden die Bewohnerinnen und Bewohner es hochwertig? Auch wenn sie nicht mehr in jede Wand bohren dürfen? Nehmen sie es überhaupt wahr? Geraldine Abbate ist Projektleiterin für Neubau bei der HOWOGE und stolz auf ihre Arbeitgeberin: „Die HOWOGE ist im Holzbau Vorreiterin und traut sich auf dem Gebiet was, mit Erfolg.“ 

Das Quartier Johannisgärten in Berlin-Adlershof ist ein innovatives Pilotprojekt, bei dem einiges gewagt wurde. Eine autofreie Siedlung mit zentralem Stellplatzangebot in der Quartiersgarage, mit Gebäuden in Holzhybridbauweise, komplett ohne Wärmedämm-Verbundsystem und statt-dessen mit hochgedämmtem Mauerwerk. Auch die Anwohner:innen beteiligte die HOWOGE bereits in der städtebaulichen Entwurfsphase. Die Ergebnisse der Partizipation flossen in die Wettbewerbsentwürfe mit ein.

Portrait Geraldine Abbate
© HOWOGE

Beim Quartier Johannisgärten spielen Aspekte zusammen, die unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten vorbildlich eingesetzt wurden.

Geraldine Abbate Projektleiterin Neubau bei der HOWOGE

„Alles Aspekte“, so die Architektin, „die unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten vorbildlich eingesetzt wurden.“ Zumal das neue Quartier eine wichtige Funktion beim Regenwassermanagement der Stadt übernimmt. Beim Stichwort Grünflächen und Gestaltung des „Drumherum“ geht es nicht nur um eine angenehme Umgebung. Sogenannte Retentionsdächer halten den Regen zurück und sorgen für eine regulierte Ableitung. Die Außenanlagen erlauben die komplette Versickerung des anfallenden Regenwassers auf dem Grundstück. 

Holzhybridbauweise funktioniert vereinfacht gesagt wie eine Art Baukastensystem. Man hat einen Skelettbau aus Beton, dazu Fassadenelemente in Holzrahmenbauweise, die vollständig vorgefertigt auf der Baustelle ankommen. Wie bei einem Möbelstück wird das Ganze vor Ort zusammengesetzt. Der hohe Vorfertigungsgrad kann die Bauzeit enorm verkürzen und so Kosten senken. 
 

Die kürzere Bauzeit birgt jedoch Fallstricke. Sie liegen in der Planung – und dass sich die beteiligten Parteien und Gewerke oftmals noch einspielen müssen. Während im Rohbau eine gewisse Toleranz möglich ist, heißt es beim Holzbau tatsächlich Nulltoleranz und nahtloses Ineinandergreifen. Die Maßanfertigung und Just-in-time-Anlieferung setzen voraus, dass alles parat steht. Denn bei dieser Bauweise verlagert sich die Endfertigung in die Produktionshallen. Je mehr baugleiche Gebäude, desto mehr zeigen sich die Vorzüge. 

Beim Holzhybridbau spielen die jeweils guten statischen Eigenschaften von Holz und Beton ineinander. In den Johannisgärten wurden zuerst mit Beton das konstruktive Tragsystem, die Stützen und Decken, sowie die Treppenaufgänge gebaut - danach geschossweise die modularen Holzrahmenelemente für die Fassaden montiert. Doch auch dieser Ablauf musste mehrfach justiert und mit den einzelnen Bauabschnitten in Einklang gebracht werden. Da ist eine integrierte Planung entscheidend, die verschiedene Faktoren wie Bauzeit, geplante Abschnitte und Qualitätsanforderungen umfasst. Ein solches modulares Bauen eignet sich vor allem für systematisch geplante Vorhaben mit wiederkehrenden Elementen. Der Vorteil des Holzbaus liegt darin, dass die Wände dünner sind als im Massivbau. Das ermöglicht mehr Wohnraum auf weniger Grundfläche. In Johannisthal führte dies zu einem offenen Quartier mit Siedlungscharakter, vielen Spielplätzen und Höfen – die überdies aufwändig thematisch gestaltet sind. Das habe sowohl Kinder aus der Nachbarschaft angelockt als auch Flaneure zum Durchqueren eingeladen, wie aus dem Quartier berichtet wurde. 

Es ist manchmal wie Fahren mit angezogener Handbremse, klare Preisvorgaben mit höchsten Ansprüchen an Wohnqualität und Nachhaltigkeit zu verbinden.

Geraldine Abbate Projektleiterin Neubau bei der HOWOGE

Der Holzbau hat sich rasant aus der Eigenheimnische heraus zur gefragten Lösung für Ge-schosswohnungsbau entwickelt. Das stärkere Interesse führte zu mehr Forschung, auch über Brandverhalten und statische Belastbarkeit, sodass geänderte Bauverordnungen wiederum Bauen mit Holz attraktiver machten. Der nachwachsende Rohstoff bringt viele Vorteile: er bindet CO2, anstatt es zu emittieren und ist dank seiner guten Ökobilanz besser für das Klima als andere Baustoffe. Er ist im Sinne von Cradle-to-Cradle kreislauffähig und gut zu entsorgen. Doch es gibt auch Herausforderungen, vor allem die derzeit enorm steigenden Preise. Als die HOWOGE die letzten Holzbauprojekte begann, waren die Kosten bereits ein Thema. Es sei manchmal wie Fahren mit angezogener Handbremse, beschreibt Bauexpertin Abbate die Aufgabe, klare Preisvorgaben mit höchsten Ansprüchen an Wohnqualität und Nachhaltigkeit zu verbinden.

Ich bin zuversichtlich, dass die HOWOGE sich trotz notwendiger Kostenbremse für sozialverträgliche Mieten nicht abschrecken lässt und sich weiterhin als Pionier im effizienten Holzbau beweisen wird.

Geraldine Abbate Projektleiterin Neubau bei der HOWOGE

Das zeigte sich auch im Vergabeverfahren für die Johannisgärten, das aufgehoben und neu begonnen werden musste, um allen Anforderungen Rechnung zu tragen. Am Ende wurden sechs Häuser in umweltfreundlicher Holz-Hybridbauweise, 13 in Massivbauweise und ein Haus in Kombination aus beiden Bautypen gebaut. Das bedeutete einerseits eine Handbremse bei der Verwendung von Holz, andererseits aber auch einen Kompromiss im Sinne des ganzen Quartiers. Schließlich blieb so Budget für modernste Energietechnik. Letztlich komme es bei all dem auf die Langzeitbetrachtung an, gibt Geraldine Abbate zu bedenken. Wenn Investitions-kosten auf einen längeren Zeitraum hin betrachtet werden, rechneten sich manche Kosten, die ansonsten vielleicht die Handbremse aktivieren. „Wir müssen im Neubau manchmal für die Nachhaltigkeit kämpfen.“ 

Geraldine Abbate ist jedenfalls zuversichtlich, dass sowohl das angenehme Raumklima als auch die hochwertigen Holzfassaden den Zuspruch der Bewohnerschaft finden – und dass die HOWOGE sich trotz notwendiger Kostenbremse für sozialverträgliche Mieten nicht abschrecken lässt und sich weiterhin als Pionier im effizienten Holzbau beweisen wird.

Alle Zahlen und Fakten

Kapitel Neubau als PDF * Download

* Das Download-Dokument ist nicht barrierefrei. Eine barrierefreie Fassung findet sich im vollständigen Bericht.