Unternehmensführung

Nachhaltiger können wir nur gemeinsam werden. Mit gelebter Verantwortung wollen wir als Vorbild vorangehen. Dafür haben wir 2020 ein agiles Projektteam für das Thema Nachhaltigkeit bei der HOWOGE ins Leben gerufen und entschieden, bei Investitionsentscheidungen neben Wirtschaftlichkeit auch ökologische und soziale Aspekte zu berücksichtigen.

2020 in Zahlen

Expert:innen im HOWOGE Nachhaltigkeits-Team

%

der Belegschaft wurden zu Compliance geschult

neues Zuhause am Stefan-Heym-Platz entstanden

Mut für den Umbruch

Wohnungsnot, Klimawandel und neue Ansprüche ans Wohnen. Der Druck auf die Berliner Wohnungsbranche ist hoch. Der Berliner Senat hat den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften zudem hohe Ziele gesetzt. Wie will die HOWOGE diese erreichen? Das erläutern die beiden Geschäftsführer Thomas Felgenhauer und Ulrich Schiller im Gespräch.

Die HOWOGE hat zum Ziel, klimaneutral zu werden und zu wachsen. Wie soll das gehen?

Ulrich Schiller: Auf ganz vielfältige Weise. Wir haben ein Produkt mit sehr langer Lebensdauer, das ist die Herausforderung. Wir müssen auf Baumaterial setzen, das der Zukunft standhält. Wir brauchen Photovoltaikanlagen und moderne Technik, aber auch möglichst simple Gebäude, die nicht zu aufwendig zu betreiben und zu warten sind. Und deren Grundrisse angepasst werden können an unterschiedliche Bedürfnisse und Lebensentwürfe.

Thomas Felgenhauer: Wachstum muss klimaneutral gestaltet sein, d. h. Neubauten müssen den höchsten Standard haben, wir müssen im Bestand aufstocken, mehr Dichte schaffen und in die Höhe denken. Alles andere bedeutet mehr Infrastruktur, Bodenversiegelung und Flächenkonkurrenz. Gleichzeitig können wir nicht bei allen Innovationen „First Mover“ sein, also diejenigen, die sie zuerst umsetzen. Denn wir müssen darauf achten, dass Klimaneutralität nicht zu Lasten der Sozialverträglichkeit geht. Mieten müssen bezahlbar bleiben. Das ist unser Auftrag.

Portrait von Thomas Felgenhauer
© HOWOGE

Wir müssen darauf achten, dass Klimaneutralität nicht zu Lasten der Sozialvertäglichkeit geht. Mieten müssen bezahlbar bleiben.

Thomas Felgenhauer Geschäftsführer der HOWOGE

Wo sind die großen Hebel beim Klimaschutz?

Thomas Felgenhauer: Beim CO2-Ausstoß macht der Gebäudesektor ein Drittel aus, davon gehen vier Fünftel aufs Heizen zurück. Wir haben seit Jahren eine Tochtergesellschaft, die unsere Gebäude möglichst effizient mit Wärme und Strom versorgt. Dort schauen sie sich die Effizienzkurven der einzelnen Gebäude exakt an und optimieren ständig. Wir sind sehr stolz auf unsere niedrigen Betriebskosten. Das haben wir u. a. durch sehr gut gedämmte Häuser und hervorragende Anlagentechnik erreicht.

Ulrich Schiller: Gleichzeitig fragen wir uns: „War das ein Fehler, auf niedrige Betriebskosten zu setzen?“ Niedrige Betriebskosten sind natürlich wünschenswert für unsere Mieterinnen und Mieter, gleichzeitig wollen wir keine falschen Anreize setzen, und mit niedrigen Kosten dazu verleiten, Energie zu vergeuden. Heute preisen wir CO2 ein, damit der Verbrauch sinkt. Die Frage bleibt, wo setzen wir an? Ist es eine Produktionsfrage oder eine Verbrauchsfrage?

Wie wollen Sie diesen Fragen nachgehen?

Thomas Felgenhauer: Wir brauchen eine neue Sichtweise, was Gemeinschaft bedeutet. Denn wir können diese Probleme nicht allein lösen. Wenn Sie heute im Büro der HOWOGE Wärme GmbH auf die Verbrauchstafeln sehen, erkennen Sie in typgleichen Gebäuden gewaltige Unterschiede bei den Verbräuchen.

Ulrich Schiller: Ja, Sie können ein Gebäude physikalisch und hinsichtlich der Energietechnik auf den neuesten Stand bringen, aber wenn jemand nachts bei aufgedrehter Heizung und offenem Fenster schläft, ist es klimatisch ein K. o..

Thomas Felgenhauer: Es spielt nicht nur eine Rolle, was wir als Vermieterin anbieten und umsetzen. Auch Energieerzeuger und Mieterinnen und Mieter sind wichtige Teile des Ganzen. Nur im Zusammenspiel aller Akteure können wir wirklich nachhaltiger werden.

Portrait Ulrich Schiller
© HOWOGE

Wir haben einen Gesellschafter, der keine Gewinne entnimmt. Damit können wir Segmente bedienen, die andere nicht berücksichtigen. Das ist im Sinne der Gesellschaft nachhaltig.

Ulrich Schiller Geschäftsführer der HOWOGE

Sind Sie denn gut gerüstet, um nachhaltiger zu werden?

Thomas Felgenhauer: Wir befinden uns in einer sehr guten Ausgangslage. Wir haben nach 1990 nahezu alle Gebäude durchmodernisiert. Daher befindet sich der CO2-Ausstoß unseres Bestandes zwar weit unter dem Berliner Durchschnitt, für die heutigen Nachhaltigkeitsanforderungen reicht es aber nicht. Da haben wir noch große Aufgaben vor uns.

Ulrich Schiller: Wir haben einen Gesellschafter, der keine Gewinne entnimmt, sondern uns ermöglicht, diese zu reinvestieren. Damit können wir Segmente bedienen, die andere nicht berücksichtigen. Das ist im Sinne der Gesellschaft nachhaltig, das entspricht unserem Auftrag. Der soziale Wohnungsbau ist ein äußerst anspruchsvolles Produkt, weil dort alles unter einen Hut gebracht werden muss, das Soziale, das Wirtschaftliche und das Ökologische.

Mit welchen Zielkonflikten haben Sie dabei zu kämpfen?

Thomas Felgenhauer: Auf einmal ist Nachhaltigkeit für alle ein großes Thema. Der Markt war darauf nicht vorbereitet. Dadurch explodieren die Preise für neue Lösungen – und manchmal auch für alte.

Ulrich Schiller: Ein Beispiel ist der Baustoff Holz – die Preise gehen gerade durch die Decke. Wir haben daher ein Projekt mit weniger Holz realisieren müssen als geplant. Graue Energie, also die Energie, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung von Bauteilen benötigt wird, ist derzeit einfach zu günstig. Der Veränderungsprozess hat ja erst begonnen. Die CO2-Steuer wird hier noch viel ändern.

Illustration zum Thema Nachhaltigkeit. Eine Frau trägt eine Pflanze, hinter ihr steht ein Auto an einer Strom-Ladesäule.

Was müsste sich noch ändern, um mehr Nachhaltigkeitsprojekte in der Breite zu verankern?

Ulrich Schiller: Die Förderstrukturen in diesem Land müssen sich verändern. Man muss die Mutigen unterstützen, etwas zu probieren und ihnen auch auf die Füße helfen, wenn sie auf die Nase gefallen sind. Unser Spielraum für Experimente ist sehr begrenzt.

Das Entscheidende ist: Finanzierungsthemen und Nachhaltigkeitsthemen wachsen viel stärker zusammen.

Thomas Felgenhauer Geschäftsführer der HOWOGE

Sie sind Mitglied in der Initiative Wohnen.2050. Was bringt die branchenweite Zusammenarbeit?

Ulrich Schiller: Sie bietet Foren, um sich auszutauschen, auch über Misserfolge. Wenn etwas schiefläuft, heißt das nicht, dass die Ingenieure und Planer nicht klug genug waren. Womöglich haben sich Nutzerverhalten oder Rahmenbedingungen verändert. Unser Quartier in der Sewanstraße beispielsweise ist nicht zuletzt aufgrund von Rückschlägen und den daraus entstanden Lösungen zu dem geworden, was es heute ist – ein klimaneutrales Wohnquartier, das mit dem Bundespreis Umwelt und Bauen ausgezeichnet wurde.

Thomas Felgenhauer: Ein Unternehmen kann vielleicht nur drei Pilotprojekte stemmen, bei 50 Unternehmen sind es aber schon 150. Darunter kann eine schnell umsetzbare Lösung für klimafreundliches Bauen sein oder man kombiniert Ergebnisse aus verschiedenen Pilotprojekten. Durch Schwarmintelligenz lassen sich Lösungen für die immer komplexer werdenden Fragen finden. Mit besseren Kennzahlen, die in solchen Projekten gesammelt werden, entsteht gewaltiges Wissen, das wir miteinander teilen müssen. So kann das Schritttempo hin zu klimaneutralem Handeln beschleunigt werden.

Welche Rolle spielt das bei Finanzierungsthemen?

Thomas Felgenhauer: Das Thema grüne, oder besser nachhaltige Finanzierung wird immer wichtiger. Da sind wir durch unsere sozialverträglichen Mieten, aber auch unser ökologisches Handeln ganz weit vorne. Das Entscheidende ist: Finanzierungsthemen und Nachhaltigkeitsthemen wachsen viel stärker zusammen. Das merken wir im Austausch mit unseren Finanzpartnern. Wenn wir besser sind als der Standard und zeigen können, dass wir Nachhaltigkeit ernst nehmen, werden wir von ihnen mit niedrigeren Zinsen belohnt.

Es geht vor allem darum, bei den Technologien flexibel zu bleiben. Wir müssen uns alles anschauen. 

Ulrich Schiller Geschäftsführer der HOWOGE

Was muss sich dafür bei der HOWOGE verändern?

Ulrich Schiller: Wir sind mittendrin im Kulturwandel. Wir brauchen heute auch intern noch mehr vernetzte Zusammenarbeit. Früher saß man in einem Einzelbüro und traf sich im Besprechungsraum. Heute ist das Büro ein Ort für Kommunikation und Austausch. Die Arbeit in bereichsübergreifenden Projekten wird mehr und mehr zum Alltag. Gleichzeitig gewinnt die digitale Kommunikation insbesondere durch die Pandemie maßgeblich an Bedeutung. Diesem Wandel müssen und wollen wir als Arbeitgeberin gerecht werden. Unsere neue Unternehmenszentrale am Stefan-Heym-Platz gibt all diesen Anforderungen Raum.

Thomas Felgenhauer: Es geht vor allem darum, flexibel zu bleiben. Heute setzt die Allgemeinheit auf Elektromobilität. Und morgen? Wasserstoff? Eine Kombination? Die Halbwertszeit von Technologien nimmt ab. Also lassen Sie uns stets agil und kreativ denken sowie im Team handeln.

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